2017-03-24_Postkarte_vom-KULTURpreis-zur-ZivilFAIRsammlung_KAB_VS

… und geht zu den Rändern der Gesellschaft. Weil sie erkannt hat, dass niemand sonst ihre Interessen nachhaltiger vertritt, als sie selbst. Und weil sie erkannt hat, wie sehr die sozialen Randgruppen am unteren Ende der Einkommensskala als ihre STÜTZmauern fungieren, wenn es darum geht, ein Abrutschen aus der Mitte zu verhindern.

Wie groß war doch die Aufregung um die Finanzmärkte und wie laut wurde nach 2007 die Einführung einer internationalen Finanztransaktionssteuer gefordert. Doch die Kosten für die Rettung aus der Misere werden noch 10 Jahre danach Menschen verrechnet, die nicht vor höheren Steuerleistungen flüchten können. Die Last des jahrelangen Zockens mit System stemmen sie, die naiv auf die Güte anderer vertrau(t)en, also jenen, „die die wirtschaftliche Macht in Händen halten“ (EG 54). 2017-05-11_die-zeit_der-kapitalismus-soll-netter-werden_mittelschicht-verliertDiese wiederum nutz(t)en deren Naivität zu ihrem Vorteil, indem sie unablässig von einer Theorie predig(t)en, wonach Arbeitsplätze gesichert werden, weil es Manna vom Himmel regnet und „Reichtum nach und nach bis zu den unteren Schichten der Gesellschaft“ durchsickert, sobald sich der Staat zurück zieht.

Die politische Untätigkeit, die aus dem Glauben an das Gute der Mächtigen erwächst, rächt sich. Die negativen Folgen können umso stärker gebremst werden, je mehr die Zivilgesellschaft auf präventive Maßnahmen drängt. Die Suche nach neuen Wirtschaftsmodellen trägt erste Früchte: nach populistischen Umbrüchen beginnt sie in Frankreich mit der 50 %-Beteiligung der Zivilgesellschaft und lokaler Abgeordneter auch politisch ein neues Kapitel in der Geschichte zu schreiben.

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Es klingt zwar wie ein Märchen, doch vielleicht leben wir gerade in einer Zeit, die mitgeprägt wird von Menschen in „mächtigen Positionen“, um 228 Jahre nach der Französischen Revolution Schlimmeres zu verhindern oder um 791 Jahre nach Franz von Assisi (s)eine Kirche zu erneuern. Auch wenn ein IWF höhere Vermögensabgaben einfordert, auf deren Umsetzung oder gar nachhaltige Wirksamkeit sollten wir nicht bequem vertrauen. Das selbe gilt für Einladungen zum „Parlament der Ausgegrenzten„.

Wir sollten vielmehr unsere Ärmel hochkrempeln und kräftig anpacken, wenn es darum geht, eine gerechtere Welt möglich werden zu lassen. Die heißen Kastanien würden sonst verkohlen, um das gegebene Preisniveau und die (leistungslos ererbten) Vermögenslagen zu sichern oder gar auszubauen. Auch bestehende Gesetze zur Verbesserung der Beschäftigungslage nützen diesbezüglich nur eingeschränkt. Bewusstsein und Machtpositionen sind täglich neu zu erarbeiten und wirksam einzusetzen, um FAIRteilung als gesellschaftlichen Belebungsfaktor zu stärken.

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„Heute riskiert derjenige, der nicht auf die Straße geht, den Verlust der Freiheit und der Gerechtigkeit“ (Michael Kölsch)

Gewiss, viele Anliegen sind nicht mit monetären Transferleistungen oder einem höheren Einkommen aus der Welt und abgehakt. Dazu gibt es zahlreiche Einrichtungen, die unterstützend wirken. Doch auch diese sind mit finanziellen Mitteln auszustatten, damit sie in einem marktwirtschaftlichen Umfeld des Wettbewerbs existieren und so ihre Dienste erbringen können. Betrachten wir dazu die konkrete Situation der Teilnehmer*innen von Kreativ am Werk

 

SozialeDiagnoseTeilnehmer

Nehmen wir nur den ersten Punkt „Langzeitarbeitslosigkeit“. Damit niemand darunter zu leiden hat bedarf es lediglich jener Marktverhältnisse, die es noch in den 1970er-Jahren gegeben hat: das Angebot an freien Stellen war größer, als die Nachfrage danach. Die Abkehr davon ist KEIN Naturgesetz: prekäre Beschäftigung, working poor bis hin zu Langzeiterwerbslosigkeit sind Menschenwerk! Wenn durch Einflussnahme auf die Politik Steuervermeidung in großem Stil weltweit möglich wurde und zusätzlich durch steuerfreie, leistungslose Einkommensbestandteile (siehe Erbengeneration) aus dem Vollen geschöpft wird und als Folge davon nur noch unzureichend in Arbeitsplätze investiert wird, in Gebieten, die zur ursprünglichen Wertschöpfung beitrugen, dann ist es aus menschlicher, religiöser

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siehe auch: „Kirche muss Politik

oder auch menschenrechtlicher Sicht nur allzu selbstverständlich, diese verteilungspolitisch paradiesischen Zustände (sprich: „Vollbeschäftigung„) wieder herzustellen. Darauf basierende Forderungen sind auch deshalb legitim, weil sie nichts, aber auch gar nichts mit irgendwelchen Utopien zu tun haben: sie existierten bereits über mehrere Jahre! Jenen Zeitgenoss*innen, die es vorziehen, mit anderen lieber nicht teilen zu müssen und gerne in philanthropischen Alternativen denken, sei ins Stammbuch geschrieben: „Ein bisschen Teilen ist zu wenig.„.

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McKinsey sieht die Eiszeit

Über die Verletzung des demokratischen Versprechens zur sozialen Inklusion

2017-05-15_ESC2017_es-siegte-ein-lied_salvador-sobralWer seine ideologische Familie mit einer „neuen breiten Bewegung der Mitte“ beweihräuchern will, darf nicht gleichzeitig die leistungslos Gewinnenden (Stichwort: Vermögensteuer) im Kampf gegen jene unterstützen, die nicht das Glück der Geburt hatten, erkrankt oder einfach „nur“ älter sind als andere. Mit einer 50 %-Beteiligung der Zivilgesellschaft in der Nationalversammlung zeigt der neue französische Präsident, was eine Bewegung der Mitte durch BeTEILigung der Zivilgesellschaft bedeuten kann und soll(te).

Mai 2017: Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet in einem Forschungspapier mit einer erweiterten Arbeitslosenquote von rund 18 %. Die niedrige Auslastung des Faktors Arbeit drückt auf die Lohnentwicklung der unselbständig Beschäftigten. Uli Spreitzer: „Es gibt ein großes Reservoir von Arbeitskräften oder möglichen Arbeitsstunden in Wartestellung, das nicht ausgeschöpft wird. Die Politik auch in Deutschland sollte bei der Darstellung der Arbeitslosigkeit mehr Ehrlichkeit zeigen.“

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Robert Sommer (Mitbegründer und langjähriger Redakteur des Augustin): „Wir klären darüber auf, dass unsere Gesellschaft den Rand bewusst reproduziert.“.

Plädoyers für die „mysteriöse Bruderschaft der Nacht“ (Zivilgesellschaft, Jean Ziegler): Wählen ist nicht genug – daher muss es „andere Formen der Bürgerbeteiligung geben, es muss dezentralisiert organisiert werden und man darf den Bürgern nicht das Gefühl geben, dass sie komplett ohnmächtig sind.“

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Ein Kommentar zu „Die Mitte steht auf

  1. So weit wie Frankreich werden die (einst) Mächtigen in anderen Demokratien nicht (so schnell) gehen (können/wollen), um neben den bisherigen „Familien“ (Marco Gallina) auch Vertreter*innen aus der Zivilgesellschaft mitregieren zu lassen. Weil dies zur Rettung der Demokratien Sinn MACHT, sollten wir uns über die bisher erfolgten und zum Teil aus parteipolitischen Kalkülen missglückten Versuche hinaus bemühen, Wege zu beschreiten, die das Potenzial haben, vergleichbare Wirkungen zu erzielen. Einer dieser Wege könnte über regionale Kulturpreisverleihungen zu ZivilFAIRsammlungen führen, die – zusätzlich zu den bereits bisher konsultierten Institutionen aus der Zivilgesellschaft – eine regelmäßige Bürgerbeteiligung auf nationaler Ebene einfordern. Dabei sind die Interessen von Randgruppen besonders zu würdigen, denn diese geraten nur allzu leicht – so auch im Bereich Niedriglohn – auf das Abstellgleis der politischen Agenda.

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