Deshalb ZukunftsWerkstatt

2019-06-17_Der-Spiegel_Heft20_11ter-Mai-Seite-40_Cornelia-Koppetsch_ohne-Ueberschrift
Cornelia Koppetsch: „Die Liberalen, die den Ton angeben, erteilen Denkverbote

Viele Kosmopoliten analysieren kritisch die Missstände dieser Welt. Sie sehen Millionenverdiener, Internetfirmen oder das Management in Großunternehmen als Strippenzieher an, machen sich aber nicht bewusst, dass sie die Lage mitverantworten, weil sie den neoliberalen Wettbewerb als Anwälte, Wissenschaftler, Ärzte oder Lehrer hinnehmen.

Cornelia Koppetsch im Interview „Alles ganz heimelig“ mit Katja Thimm, Der Spiegel, 11. 5. 2019, S 41

 

Die mitzuverantwortende Lage: Beispiele für politisches Versagen in Bezug auf Gemeinwohlinteressen

 

2019-07-25_SN_Juliette-Binoche_Warum-habt-ihr-nichts-getanDieser Eroberergeist hat uns an diesen katastrophalen Punkt gebracht, an dem unsere Umwelt sich jetzt befindet.

Juliette Binoche

 

2019-07-05_WWF-Aktion-Plastikflut_Wir-haben-die-Schnauze-voll


2019-07-15_Tweet_GLS-Bank_Auf-die-Rodung-koennte-verzichtet-werden_wenn-es-die-Politik-wollte_2019-07-12

2019-07-15_Bildungsserver-Hamburg_Globaler-Temperaturanstieg-und-Kohlendioxid-in-ppm


Mit der Finanz- und dann Wirtschaftskrise 2008 brach auch das Angebot an Vollzeitarbeitsplätzen ein.

Das Wachstum seither basiert ausschließlich auf atypischer Beschäftigung:

2019-07-15_Kaethe-Knittler_Atypische-Beschaeftigung-2017_Beschaeftigungskategorien-unselbstaendig-Erwerbstaetiger-2007-2017

Tabelle: Käthe Knittler, Atypische Beschäftigung 2017 – allgemein und im Familienkontext, in: Statistische Nachrichten 9/2018, S 746

Was tun: warten oder handeln?

Während die Politik in den meisten Ländern der Welt – so auch in Österreich* – lieber wartet als handelt, beschreitet die Regierung in Neuseeland mit ihrem „well-being budget“ neue Wege, was hoffentlich bald auch in anderen Ländern zu entsprechendem Handeln anregen wird: „Der neue Haushaltsplan setzt als erster weltweit nicht das Wachstum der Wirtschaft, sondern das Allgemeinwohl der Bevölkerung als Erfolgsmaßstab an.“ (360grad-neuseeland.de)

Wer weiter auf technologische oder politische Erlösung vertraut, steuert auf eine unvermeidliche Eskalation zu. Wenn Verteilungskonflikte entbrennen und für manche der Kampf um ein würdiges Dasein beginnt, wird sich niemand mehr für eine Demokratie einsetzen, die offenkundig am Minimum dessen gescheitert ist, was Humanität bedeutet: Überlebensfähigkeit. Wer also die Freiheit bewahren will, darf sie nicht im Übermaß beanspruchen, sondern muss sie vorsorglich und freiwillig begrenzen.

Niko Paech, in: Geplatzte Seifenblase

2019-06-17_Postkarte_warten-oder-handeln-und-institutionalisieren_VS

 

Gemeinwohl in der politischen Landschaft Österreichs

2019-07-03_Werner-Kogler_Diskursverweigerung-zum-Thema-Gemeinwohl-Oekonomie


2019-07-03_SPOE_Gemeinwohl_Rendi-Wagner_EU-Wahlkampf-2019


2019-07-03_OEVP_Grundsatzprogramm_Gemeinwohl_politische-Mitwirkung-gezielt-weiterentwickeln

Der programmatische Hinweis auf eine generell gemeinwohlorientierte Politik fehlt bei einer weiteren österreichweit agierenden Partei und wird beschränkt auf die freie Entwicklung der Wissenschaft (S 14).

 

Reflexionen und ihr Auftrag zu handeln

Wollen wir im Sinne des Gemeinwohls „andere Formen der politischen Mitwirkung gezielt weiterentwickeln“, dann bietet dieser Gedanke eines Philosophen, verfasst im Exil in Christchurch, einen wertvollen Hinweis:

Wir müssen Institutionen konstruieren, die es uns erlauben, die ökonomische Gewalt auf demokratische Weise zu kontrollieren und die uns Schutz vor der ökonomischen Ausbeutung gewähren.

Karl R. Popper, in: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2, München: Francke, 1980, 6. Aufl., S 159

Vergleichbar dazu Jürgen Habermas:

Die Menschenrechte sind auf die institutionelle Verkörperung in einer politisch verfassten Weltgesellschaft angewiesen.

Jürgen Habermas im Vorwort seines Essays „Zur Verfassung Europas“, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2011

2019-06-15_Der-Standard_Habermas_Verrechtlichung-schuetzt-vor-Aushoehlung-demokratischer-Errungenschaften

„Macht“ bildet ebenso wie „Geld“ ein System, das dazu prädestiniert erscheint, die menschliche Lebenswelt zu unterwerfen.

Nur ein permanenter Prozess der Verrechtlichung schützt die demokratischen Errungenschaften vor Aushöhlung.

Aus dem Artikel „Der Prophet der Zustimmung“, von Ronald Pohl, in: Der Standard, 2019-06-15/16, S 26

2019-08-15_permanente-kontrolle-der-zivilgesellschaft_oekosozialrat_zukunftswerkstatt

Herausforderungen

Ein Ergebnis bisheriger Überlegungen zur Erhöhung der Beteiligung an demokratischen Entscheidungsprozessen ist die Warnung „vor einer Gefährdung des Minderheitenschutzes durch eine bloße ´Mehrheitsdiktatur´“. Neben „Versäumnisse(n) in Sachen politische Bildung“ wurde beim Zukunftskongress Demokratie am 13. April 2013 auch diese Herausforderung als zentrale Aufgabe erkannt:

Unbenannt

Apropos „Sport“. In seinem Roman „Das Glasperlenspiel“ formulierte Hermann Hesse seine Antwort auf die Frage nach der Attraktivität der jährlich wiederkehrenden Spiele so:

2017-03-03_glasperlenspiel

Kehren wir zurück zum oben erwähnten Buch „Politische Beteiligung“, herausgegeben von Norbert Kersting: In seinem Beitrag „Zukunftskonferenz. Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven“ beschreibt Olaf-Axel Burow detailliert die tiefere Bedeutung, sowie

Anwendungsbereiche und Perspektiven von Zukunftskonferenzen

2019-06-13_Burow_Zukunftskonferenz_Politische-Beteiligung-S-187-oben

2019-06-13_Burow_Zukunftskonferenz_Politische-Beteiligung-S-190

Schlussbemerkungen

Den Einzelnen fehlt der Überblick über die Wirkungen ihres Handelns im Gesamtgefüge und es fehlt eine Instanz, die dafür sorgt, dass die Interessen von Natur und Gesellschaft gleichermaßen berücksichtigt werden. Diese Instanz kann aber in einer Demokratie nur durch die Bürger bereitgestellt werden.

Olaf-Axel Burow, a. a. O., S 186

Einzelne Aufklärungsarbeiten wie die Pass Egal Wahl oder jene in der Zukunftswerkstatt während der Sommerakademie Schlaining 2012 ersetzen bei weitem nicht die oben erwähnte „fehlende Instanz“.

Deshalb wurde im Juni 2018 die „SommerSonnenWahl“ geprobt.

Und deshalb gibt es nach der Diskussionsrunde zum Thema „Selbstermächtigung in einer offenen Gesellschaft“ die Überlegungen zur Etablierung eines ÖkoSozialRates. Auf dem Weg dorthin braucht es ein Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven. Während die Zukunftswerkstatt dabei weniger auf die klassische Selbstermächtigung abseits von „Experten oder Spezialisten“ setzt, ist diese Abgrenzung bei der Zukunftskonferenz weniger deutlich zu erkennen. Eine gute Durchmischung aus beiden Welten wird diesbezüglich wohl die geeignetere Variante aus beiden Methoden sein.

Anhang: Was ist eine Zukunftskonferenz?

(entnommen aus: http://www.agonda.de/zukunftskonferenz/zukunftskonferenz.html)

In einer Zukunftskonferenz (Future Search) kommen 60-80 Menschen unterschiedlicher Interessengruppen zusammen, die ein gemeinsames Thema drängt, das keiner alleine lösen kann.

Sie entwickeln miteinander ein gemeinsames, im Konsens verabschiedetes Zukunftsbild, und planen konkrete Handlungsschritte zu dessen Umsetzung.

Dem ganzen liegt ein fundierter und hundertfach erprobter Dialog-, Visions- und Planungsprozess zugrunde.

Der Fokus wird bewusst auf die Gemeinsamkeiten statt auf die Unterschiede gelenkt, um ein gemeinsames Fundament (Common Ground) zu schaffen.

Eine Zukunftskonferenz bringt …

  • ein tragfähiges gemeinsames Zukunftsbild (wo wollen wir hin?)
  • Konkrete Initiativen, Maßnahmen oder Projekte zu dessen Umsetzung
  • Verantwortungsübernahme
  • Integration konträrer Standpunkte
  • Verbesserte Zusammenarbeit unterschiedlichster Interessengruppen

 Ablauf einer Zukunftskonferenz

2019-07-15_agonda-de_Ablauf-einer-Zukunftskonferenz

Weitere Details zur Methode Zukunftskonferenz siehe buergergesellschaft.de


*| In Sachen Klimapolitik verortet der Greenpeace-Klimasprecher Adam Pawloff die Wurzeln des Versagens offensichtlich im Fehlen einer dafür zuständigen Institution, wenn er meint: „Es gab in der Sozialpartnerschaft niemanden, der die Umwelt vertritt.“ Im Falter-Artikel „Wer zerstört unser Klima?“ schreibt Benedikt Narodoslawsky weiter, ohne Adam Pawloff zu zitieren: „Die Sozialpartner haben in Österreich massives politisches Gewicht. Sie haben für Wohlstand und sozialen Ausgleich gesorgt. Während anderswo in Europa gestreikt wurde, lösten Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre Probleme am Tisch. Dass der Klimaschutz oft ein Problem für beide Seiten war, darauf konnte man sich schnell einigen.“ Eine wirtschaftsliberale Politik nimmt nicht einmal mehr darauf Rücksicht. In anderen Ländern geht es der Demokratie nicht besser, so zB wenn in Italien ein Familienminister die „Abschaffung des sogenannten Mancino-Gesetzes aus dem Jahr 1993“ fordert, mit dem die „Anstiftung zu Fremdenhass und die Verherrlichung des Faschismus streng bestraft werden„. Angesichts dessen, „was alles in einer westlichen Demokratie des 21. Jahrhunderts möglich ist“, wird die Einrichtung einer Institution umso wichtiger, die die Verteidigung und den Ausbau von Gemeinwohlinteressen als ihr Kernthema nennen darf. Verglichen mit dem seinerzeitigen Exportschlager Verfassungsgerichtshof als „eigene Kulturleistung“ könnte Österreich mit einem ÖkoSozialRat wiederum Vorreiter sein in Sachen Weiterentwicklung der bislang bewährten Herrschaftsform Demokratie.

Webadresse zum digitalen Dokument: https://zivilfairsammlung.files.wordpress.com/2019/08/2019-08-12_deshalb-zukunftswerkstatt-diakonale-1.pdf

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